Wanderung 02.-06.09.19

Die Wandergruppe des Alpenvereins auf der Reeperbahn vom 2.-6.9.2019

Hört sich verrucht an, ist es aber nicht und soll nur die Aufmerksamkeit wecken.

Wie all die Jahre davor, führte die Wandergruppe des Alpenvereins auch in diesem Jahr wieder eine Wanderwoche durch. Nachdem wir in den Vorjahren jede Menge Natur gesehen haben, war nun mal Wandern mit Großstadtflair an der Reihe.

Da kam Jutta, die in Hamburg aufgewachsen ist und dort lange gearbeitet hat, ins Spiel. Mit ihr hatten wir eine hervorragende Planerin, die mit Reimer das Programm zusammenstellte. Er fand ein geeignetes Hotel und zwar mitten auf der Reeperbahn. Eine gute Wahl, denn der Service ließ nichts zu wünschen übrig.

Umzu läuft es wahrlich wie im richtigen Leben. Bis spät in die Nacht sind die Menschen unterwegs, freiwillig oder notgedrungen, Einheimische und Touristen. Es wird gefeiert, gearbeitet und/oder das kärgliche Dasein gefristet.

Am Montag, den 2. September 2019, Treffpunkt Bahnsteigkante! 14 Wanderer hatten bei der Vorbesprechung beschlossen das Nds.- Gruppen-Ticket der Bahn zu nutzen. Die Bahnfahrt lief erstaunlich glatt, in Hamburg fuhr die U-Bahn jedoch nur bis zur Baustelle am Baumwall, die Haltestelle Landungsbrücken war gesperrt. Wir waren eine Station vor dem Ziel und hatten nun die erste Gelegenheit, uns mit dem öffentlichen Nahverkehrsplan in Hamburg auseinanderzusetzen. Was uns im Laufe der Zeit immer besser gelang.

Im Hotel wurde zügig eingecheckt. Der anschließende Spaziergang führte zum wunderschönen Michel, den wir auch kurz von innen besichtigten.

Unterhalb des Michels liegen die Krameramtsstuben, ein historischer Gebäudekomplex, ehemals zur Versorgung der Witwen von Krämern im 19. Jahrhundert verwendet. Erbaut wurden die Gebäude bereits zwischen 1620 – 1700 als letzte geschlossene Hofbebauung des 17. Jahrhunderts. Eine Besichtigung war leider nicht möglich. Die zuständige Person versprach auf einem Zettel, gleich wieder da zu sein, hielt dies aber nicht ein. Versprechen kann man sich ja mal.

Wir hatten vor, das Abendessen im Portugieser Viertel einzunehmen, waren zunächst verwirrt von der Vielzahl der Lokale, fanden aber spontan genau das Richtige. Eine Menge von Doraden fanden ihre Abnehmer.

Wohlgesättigt ging es weiter, zurück zur U-Bahnstation St. Pauli und mit dem Bus zu „Planten und Blomen“. Nach Einbruch der Dunkelheit beeindruckten uns dort die herrlichen Wasserspiele mit farbiger LED-Beleuchtung und mit Begleitmusik. Müde und etwas durchgefroren waren wir erst spät im Hotel.

Nach einem prima Frühstück ging es am Dienstag zur S-Bahnstation. Es blieb gar nicht aus, dass wir, aus dem Hotel tretend, gewissermaßen an den „Schlafzimmern“ der Obdachlosen, die zum Teil noch sehr jung waren, vorbeiliefen. Es gehört zum Erscheinungsbild, nicht nur aber auch, auf der Reeperbahn.

Von der S-Bahnstation St. Pauli aus, fuhren wir nach Eppendorf, wo wir den Ise-Markt erkundeten. Ein bunter Markt mit einem vielfältigen Angebot von ansprechender Qualität. Bei uns abgehaltene Märkte nehmen sich dagegen eher bescheiden aus. Unser Spaziergang durch Eppendorf, mit seinen sehr schönen Bauten und dazwischen immer wieder Grünanlagen, begeisterte uns.

Die wohlverdiente Pause fand im „Café Lindtner“ statt, einem fast schon historischen, traditionellen Café, in dem seit 80 Jahren Köstlichkeiten rund um die Backkunst hergestellt werden.

Die Speisekarte enthielt aber auch kleine Mittagsmahlzeiten, die etlichen von uns sehr gut geschmeckt haben. Nach dem Verlassen des Cafés durch die alte Holzdrehtür, setzten wir gemütlich den Weg in Richtung Alster fort.

Mit einem kleinen Spaziergang überbrückten wir die Zeit bis zum Eintreffen des Alsterdampfers, der uns dann bis zum Jungfernstieg mitnahm. Vom Wasser aus gab es allerlei zu sehen. Unter anderem die blaue Moschee (Imam-Ali-Moschee)

Zu Fuß in Richtung Elbe, durch die historische Deichstraße, machten wir einen kurzen Abstecher in die Hafen-City und sputeten uns dann weiter zum Hotel. Nach kurzem Aufenthalt zum Frischmachen, ging es in das „Cuneo“. Ein italienisches Restaurant, das seit 1905 in Hamburg ansässig ist, liegt mitten an der Davidstraße. Wüsste man nicht, dass man es dort findet, würde man hinter dem Eingang eine äußerst zwielichtige Spelunke vermuten. Drinnen fanden wir jedoch alles Tiptop und genossen eine prima Verpflegung.

Es gab tatsächlich einige, die nach dem bewegungsreichen Programm vom Tag, nochmal zu den Landungsbrücken hinuntermaschierten. Für uns alle ging ein schöner Tag zu Ende.

Schon war es Mittwoch und der Alsterwanderweg stand auf dem Programm. Wir fuhren mit der S-Bahn nach Poppenbüttel. Alsbald waren wir an der Alster und begleiteten den Fluss, der zunächst wenig Wasser führte, eine Reihe von Kilometern. Natur pur, von der Sonne durchflutet. Alle waren sehr angetan.

Nach einem kurzen Zwischenstopp beim ehemaligen Herrenhaus in Wellingsbüttel, welches jetzt als Seniorenresidenz und Café dient, trafen wir bei der vorläufigen Endstation, dem Friedhof Ohlsdorf, ein. Im Cafe Fritz legten wir eine Pause ein. Die Speisen waren sehr gut.

Na und dann mussten die Gräber von Hans Albers, Loki und Helmut Schmidt und anderen Hamburger Persönlichkeiten aufgesucht werden. Der Friedhof wird als solcher gar nicht empfunden, eher als eine große Parklandschaft, in der man auch wandern könnte. Beim Studium der Grabmale berühmter und nicht berühmter Persönlichkeiten sollte man durchaus einen ganzen Tag einplanen.

Wir verfolgten jedoch unseren Plan und traten den Rückweg wieder per S-Bahn an.

Zurück im Hotel, mussten die meisten gleich wieder los, um rechtzeitig einem Orgelkonzert im Michel lauschen zu können. Manuel Gera brachte uns auf eindrucksvolle Weise die Moldau von F. Smetana näher, die auf der Orgel noch niemand von uns gehört hatte. Wir waren begeistert, sogar die Skeptiker! Auch die Musik von f. Liszt war ein Ohrenschmaus.

Seit einer Renovierung vor 10 Jahren hat der Michel drei Orgeln, die von einem Zentralspieltisch aus gemeinsam gespielt werden können. Die Klänge des Fernwerks (3. Orgel) erreichen die Zuhörer durch eine Öffnung in der Mitte der Kirchendecke. Die Musik und Klangqualität ist enorm und vermittelt höchsten Hörgenuss.

Für den letzten Tag vor der Heimfahrt stand wieder ein ordentliches Laufpensum auf dem Programm. Und so ging es von der Haltestelle Reeperbahn aus mit der S-Bahn Richtung Westen zum „Botanischen Garten“. Eine tolle Anlage, die mit ihren schönen Blumen und Bäumen erkundet und gebührend bewundert wurde.

Der weitere Weg durch den Jenischpark, einem der bekanntesten Parks in Hamburg, der als einer der bedeutendsten Landschaftsgärten gilt und in Hamburg Othmarschen liegt, führte hinunter zur Elbe und auf dem Elbe-Wanderweg Richtung Westen, bis zum Süllberg.

Wenn wir bisher bei recht gutem Wetter keinen Grund zur Klage hatten, so war heute das Wetter echt launisch. Strahlender Sonnenschein wechselte mit Sturmböen und Regenschauern fast im Minuten Takt. Wir wurden immer schneller im Wechseln der Bekleidung.

Unterwegs machten wir Rast in einer urigen Gaststätte an der Elbe. Eigentlich mehr ein Holzschuppen und als „letzte Gaststätte mit Steigl Bier vor New“ York tituliert. Naja, das stimmte wohl, denn dieses Bier kommt aus Österreich und wird vermutlich nur hier ausgeschenkt.

Für Blankenese aber eher untypisch. Hier wurden wir sehr herzlich empfangen und freundlich bewirtet.

Gut gestärkt ging es dann weiter und wurde anstrengend, was vielleicht auch den vielen Schritten bei Gegenwind geschuldet war. Wir haben es auf den Süllberg geschoben, der mit 74,6 m die höchste Erhebung Hamburgs ist und den wir mit seinen hübschen Kapitänshäusern durch die engen Straßen erkletterten.

Oben angekommen und etwas aus der Puste, erholten wir uns bei einem Becher Kaffee, um dann mit der S-Bahn den Weg zu unserem Hotel anzutreten.

Und weil es bei „unserem“ Portugiesen so lecker geschmeckt hatte, wurde beschlossen, das Essen wiederum dort einzunehmen. Eine abermals gute Entscheidung.

Als letzter Punkt stand eine 90 minütige Lichterfahrt durch den Hamburger Hafen auf dem Programm. Die inzwischen stark abgekühlte Temperatur und der kalte Sturm, ließ die Teilnehmer, die sich mit Schal, Mützen und Wolldecken eingedeckt hatten, näher zusammenrücken. Dennoch zog es wie „Hechtsuppe“.  Man sprach von der ersten Sturmflut in Hamburg, der Fischmarkt stand kurz vor der Überflutung.

Einige Ziele, so die Speicherstadt, konnten auf Grund des hohen Wasserstandes nicht angefahren werden, weil man unter den Brücken nicht mehr durch konnte. Der Kapitän fuhr dann, soweit machbar, eben außen herum.

Der Tidenhub der Elbe, er soll früher einmal 1,20 Meter betragen haben, beträgt nun 3,66 Meter bei mittlerem Hochwasser. Der Gezeitenstrom beträgt 2,5 Knoten.

Die Lichterfahrt, die durch allerhand Informationen und lustige Sprüche bereichert wurde, war ein voller Erfolg. Beim Anblick der monströsen Containerschiffe, an deren Rumpf wir dicht vorbeifuhren, konnte einem mulmig werden. Einige waren bereits entladen und lagen dadurch noch höher.

Im Hotel saßen dann noch einige von uns fast bis Mitternacht zusammen, hörten der guten

Live-Musik zu, die leider etwas zu laut war und ließen die Tage Revue passieren.

Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins….. (nicht ganz geschafft)!

Die Heimreise am Freitag wurde teils getrennt angetreten. Einige zog es noch zu einem kleinen Bummel in die City. Wenn man schon mal da ist!

Es kamen aber alle heil und wohlbehalten zu Hause an.

Wir bedanken uns bei Jutta Müller und Reimer Klappstein und sagen: „Super gemacht, mehr davon“!                                                                          Reimer Klappstein, Waltraud Freydank